[FR] Herkunftssprachlicher Unterricht: Türkisch als Schulfach

Frankfurter Rundschau

Frankfurter RundschauFrankfurter Rundschau, von Marie-Sophie Adeoso, 04.11.2017

Eine Petition fordert, mehr Herkunftssprachen von Migrantinnen und Migranten als benotetes Wahlpflichtfach an hessischen Schulen anzubieten.

Türkisch und andere Herkunftssprachen von Migrantinnen und Migranten in Hessen als benotetes und versetzungsrelevantes Schulfach einführen: das ist die zentrale Forderung einer Kampagne, die die „Hessische Initiative für Fremdsprache“ am Freitag in Frankfurt vorgestellt hat. Bis Ende März sammelt sie per Online-Petition Unterschriften dafür, dass Kultusminister Alexander Lorz (CDU) ein „erweitertes Bildungsangebot“ vorlegt, das Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gibt, Sprachen wie Türkisch, Arabisch oder Griechisch als zweite oder dritte Fremdsprache im Wahlpflichtfach zu belegen.

„Die Förderung von muttersprachlicher Kompetenz ist ein wichtiges schulpolitisches Ziel“, betonte der Frankfurter Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel (SPD), der zu den Initiatoren zählt, bei einer Pressekonferenz in den Räumen des Jugendbildungsvereins Kubi. Unter den rund 50 Erstunterzeichnern sind viele türkischstämmige Hessinnen und Hessen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, wie etwa der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Atila Karabörklü oder die fraktionslose Landtagsabgeordnete Mürvet Öztürk, aber auch beispielsweise der frühere Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP), der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Jürgen Richter oder Goethe-Uni-Professorin Susanne Schröter.

Es sei wichtig, dass Mehrsprachigkeit als wichtige Ressource anerkannt werde, betonte Yüksel. Ein entsprechendes Konzept dafür auszuarbeiten, sei Aufgabe der Landesregierung. Die Offenbacher Deutschlehrerin Yadel Oktay-Coskun berichtete, dass allein an ihrer Schule die Hälfte der rund 800 Schüler türkischstämmig sei – für sie gelte es, ein adäquates Angebot zu schaffen. Die Vorteile von Mehrsprachigkeit seien wissenschaftlich bewiesen und müssten auch gefördert werden, wenn es sich nicht um Englisch oder Französisch handele.

„Das ist eine Frage der Gleichstellung neben anderen Sprachen“, sagte Kubi-Geschäftsführer Arif Arslaner. Bislang werden Türkisch und viele weitere Muttersprachen von Migrantinnen und Migranten nur als nicht benoteter, herkunftssprachlicher Unterricht angeboten, der teils vom Land, teils von den jeweiligen Konsulaten gestaltet wird.

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Originallink zum Artikel: http://www.fr.de/rhein-main/herkunftssprachlicher-unterricht-tuerkisch-als-schulfach-a-1380770