[Hessenschau] Mit dem Reisebus zum „Nein“-Sagen nach Frankfurt

HS

Die „Nein“-Sager zum türkischen Verfassungsreferendum von Präsident Erdogan mobilisieren – zur Not per Reisebus. Das ist das Ziel der grünen Landtagsabgeordneten Mürvet Öztürk. Am Montag machte sich ein Doppeldecker von Wetzlar auf den Weg nach Frankfurt.

Murat Selcuk sitzt entspannt in dem großen Doppeldecker-Reisebus, der ihn von Wetzlar nach Frankfurt bringen soll. Immer wieder schweift sein Blick aus dem Fenster in die Ferne, er beobachtet die hessische Landschaft, die an ihm vorbeizieht. Wie er bei dem am Montag begonnenen türkischen Verfassungsreferendum abstimmen will? Seine Antwort fällt deutlich aus: „Ich möchte nicht, dass den Menschen ihre Freiheiten genommen werden, oder dass sie mundtot gemacht werden, deshalb stimme ich mit Nein.“

Die meisten im Bus sind Rentner, die Stimmung während der Fahrt ist gelassen. Kurz vorher, bei der Abfahrt an der alevitischen Gemeinde in Wetzlar, war das noch anders. Die Angst vor einem zu mächtigen Staatschef ist hier präsent. Die Menschen gestikulieren, reden über die Wahl. Musa Sanli, der an diesem Tag nicht mit nach Frankfurt fährt, kritisiert Erdogan – und seinen Wahlkampf. „Er hat versucht, das Volk zu spalten. Das ist kein demokratischer Wahlkampf.“

Grünen-Politikerin Öztürk: „Noch viel Arbeit“

Organisiert hat die Busfahrt nach Frankfurt für die „Nein“-Sager die hessische fraktionslose Landtagsabgeordnete Mürvet Öztürk (Grüne). Dafür hatte die Politikerin auch mit einer Kampagne geworben. Auf die Anfragen des hr, auch in einem Bus mit Befürwortern des Referendums mitzufahren, gab es trotz mehrfacher Nachfragen keine Antwort.

Knapp 50 Frauen und Männer gehören zu der Reisegruppe. Knapp 50 Stimmen also gegen die mögliche Verfassungsänderung. Trotzdem sagt Öztürk: „Uns steht noch viel Arbeit bevor in den nächsten Wochen.“ Bis zum 9. April können die Menschen hier ihre Stimme abgeben, am 16. April ist dann großer Wahltag in der Türkei.

„Zu viel Macht für einen Menschen ist nicht gut“

Öztürk ist guter Dinge. „Wir haben viele Menschen erreicht, überall in Hessen“, sagt die fraktionslose Abgeordnete. Im Bus spielt sie immer wieder Dolmetscherin, übersetzt türkische Antworten der Mitfahrer an deutsche Medienvertreter ins Deutsche. Allein drei Kamerateams haben sich für die Fahrt angemeldet, das Interesse am Referendum ist groß.

Auch Murat Selcuk werden viele Fragen gestellt, er beantwortet sie mit einer großen Gelassenheit. „Zu viel Macht für einen Politiker allein ist nicht gut“, sagt er mit Blick auf den türkischen Präsidenten Erdogan. Das hätten auch viele in der Türkei inzwischen begriffen.

Originallink mit einem Video zum Artikel: http://hessenschau.de/politik/mit-dem-reisebus-zum-nein-sagen-nach-frankfurt,neinsager-referendum-100.html