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Politische Vita

Nach Abschluss meines Magisterstudiums im Jahre 2000 fing ich meine erste politisch orientierte Tätigkeit bei der Heinrich Böll Stiftung in Istanbul als Projektassistentin und Finanzkoordinatorin an. Dort durfte ich die politischen Diskussionen zum Thema Frauen, Menschenrechte, EU-Beitritt der Türkei, Demokratisierungsprozess und der Kurdenfrage aktiv begleiten. Diese Arbeitsphase war für mich sehr positiv prägend, weil ich erstmals durch eine aktive türkische Zivilgesellschaft erleben durfte, wie vielfältig und engagiert die Menschen in der Türkei sich für eine bessere und demokratische Gesellschaft einsetzten. Die Brücke zwischen beiden Ländern konnte ich endlich schlagen und positiv gestalten.

2004 kehrte ich aus familiären Gründen endgültig nach Deutschland zurück und ließ mich in Wetzlar nieder. Nun ging das Pendlerleben zwischen Berlin und Wetzlar und später zwischen Berlin und Brüssel weiter. Im Jahre 2004 wurde ich als Referentin für die Türkeipolitik in der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen tätig und durfte die parlamentarische Entscheidung im Bundestag zur Aufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei im Jahre 2005 begleiten. Im Jahre 2005 fing dann meine Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin von Heide Rühle und Cem Özdemir im Europaparlament an.

Wetzlar ist meine Wahlheimat, in der ich mich gerne auch politisch engagiere. Von 2006 bis 2012 war ich im Kreistag und habe mich dort für die Schulpolitik engagiert und von 2011 bis 2014 war ich als Stadtverordnete in Wetzlar kommunalpolitisch aktiv. Im Kreistag zog ich als das erste türkeistämmige Mitglied ein und wollte diese Erfahrung gerne an andere politisch interessierte Menschen weitergeben.

Durch mein kommunalpolitisches Engagement und meine Arbeit in Brüssel wurde mir klar, dass Vielfalt in der Politik nur dann funktioniert, wenn man auch bereit ist, sich persönlich aktiv einzubringen. Als im Jahre 2007 die Listenaufstellung für die Landtagswahl in Wetzlar stattfand, entschied ich mich für ein Mandat zu kandidieren. Denn in Hessen, in dem Land in dem gegen die Doppelte Staatsbürgerschaft Kampagne gemacht wurde, war es Zeit für einen politischen Wechsel. Daran wollte ich aktiv mitarbeiten und kandidierte für einen aussichtsreichen Listenplatz. Integration und Vielfalt sollte keine bloße politische Floskel sein, sondern aktiv in die politische Alltagsarbeit implementiert werden. Daher habe ich mich gefreut, im Jahre 2008 die erste türkeistämmige Abgeordnete im Hessischen Landtag zu sein. So bin ich im Jahre 2009 und im Jahre 2013 erneut gewählt worden und durfte mich weiterhin für eine progressive Integrations-, Asyl und Flüchtlingspolitik einsetzen. In der Fraktion Bündnis 90/Die GRÜNEN war ich Sprecherin für Migration, Integration, für Petitionen, Behinderten-, Jugend- und Seniorenpolitik.

Aufgrund der erneuten Asylrechtsverschärfung im Herbst 2015 und die Erweiterung der sicheren Herkunftsstaaten um die Balkan-Länder wurde für mich allerdings die Vertrauensgrundlage in der Fraktion erheblich zerstört. Die Konsequenz dessen war, dass ich aus meiner Fraktion ausgetreten bin. Seit dem 8. September 2015 führe ich meine politische Arbeit als fraktionslose Abgeordnete im Hessischen Landtag fort und freue mich auf die neuen Herausforderungen im demokratisch gewählten Parlament.

Im Parlamentarischen Betrieb bin ich Mitglied des  Sozial- und Integrationspolitischen Ausschusses (SIA) und des Europaausschusses (EUA).

Außerdem bin ich aktuell Vorsitzende des Netzwerks Türkeistämmiger MandatsträgerInnen und Mitglied im Frauenhaus Wetzlar.